Europa, quo vadis? („Multikulti“-ismus oder „Regional“-ismus)

Der Ansturm von Menschen aus dem Orient nach Europa, massiv 2015, unter der Flagge „Kriegsflüchtlinge aus dem unüberschaubaren Kriegsgebiet Syrien“ hat die Bürger Europas tatsächlich gespalten. Die 28 Nationen der EU ziehen auch nach langen Debatten nicht an einem Strang, die Bürger innerhalb eines Landes, normalerweise in demokratisch wahlwerbende Parteien aufgeteilt, sind nun oft verärgert, zornig, manchmal sogar hasserfüllt gegenüber Andersmeinenden, und auch der Einzelne muss bemerken, dass Familien, Freunde, sogar Ehepartner sich darüber wütend entzweien: Offenbar wurde ein sehr heikler Nerv getroffen, der alle anderen Meinungsverschiedenheiten seit dem Ende des 2. Weltkrieges weit übertrifft.

Sind die Zuwanderer seit 2015 also nicht mehr mit der Assoziation „Gastarbeiter“ verbunden, sondern viel mehr mit der Assoziation „Invasoren“?

Und sind dabei die Islam-Gläubigen – durch ihre „Radikalen“ (Jihadisten, Salafisten …) überhaupt erst auffällig geworden – dabei ein besonderer Stein des Anstoßes für die „Einheimischen? ( wozu die seit Jahrzehnten schon Eingewanderten aller möglichen Ethnien und Konfessionen eher zu den Einheimischen gezählt werden wollen und können)?

Mag sein, dass diese Diskrepanzen bis zu tätlichen Übergriffen deshalb so heftig werden, weil die größte Nation oder soll man besser sagen Volkswirtschaft der EU kein politisches Konzept, keine handlungsfähige Strategie erkennen lässt, so dass kein politischer Willen für die Bürger nachvollziehbar erkennbar wird – und das nicht nur in Deutschland, sondern in vielen EU-Ländern, und in den EU-Spitzengremien und in der Gesamt-EU auch…

Und so erscheint die Spitzenpolitikerin Angela MERKEL als Bundeskanzlerin Deutschlands in einem immer schieferen Licht: Ist sie eine Marionette US-amerikanischer Kreise und deren Interessen an einer Destabilisierung Europas? Hat sie überhaupt eine eigene europäische Linie, oder wenigstens eine für Deutschland, vorausgedacht? Oder ist sie an ihrer Kompetenzgrenze angekommen, bisher so lavierend zwischen mal das mal jenes, mehr Meinungsumfragen befriedigend als einem staatspolitischen Konzept folgend? – Oder hat sie etwa so große Pläne, dass dies niemand noch verstehen könnte, und daher dies – offene Gesellschaft und Demokratie hin oder her – dem einfachen Wahlvolk noch oder überhaupt gar nicht mitgeteilt werden kann? … Auf den Straßen macht sich Unmut von allen Seiten breit und Respektlosigkeit der In- und vor allem der „orientalischen“ Ausländer, die „Autoritäten“ gewohnt sind, greift um sich. Und das reicht von Polizistenbeschimpfungen bis zu sexuellem Missbrauch von Frauen, neuerdings sogar an öffentlichen Plätzen, wie vor dem bekanntesten Dom Deutschlands in Köln zu Silvester 2015.

Man muss also wohl annehmen, Europa ist in einer ernsten Krise, und es scheint, die bisher beiseitegeschobene Debatte (also die von Anfang an als Streitgespräch angelegte Grundsatzentscheidung „rund um die Frage der Leitkultur“ – wenn man das Wort überhaupt benutzen darf) schäumt mächtig auf: Wollen wir zulassen, eine Multikulti-Gesellschaft zu werden? Wäre das gar evtl. das „geheime Zukunftsmodell“ (die „hidden agenda“) einer neuen Ära von Edel-Sozialismus, beginnend mit einer Gleichheit der Rassen, der Ethnien, der Konfessionen, mit einer geförderten genetischen Vermischung letztendlich? – Ob dies zu einer „Überfremdung“ alteingesessener Bürger führt – muss man als a priori böse Fragestellung beiseitelassen, sagen die mehr oder weniger „Progressiv-Orientierten“, die mit einem moralischen Überlegenheitspathos und -gehabe auftreten, das sie auch nicht weiter zu begründen für nötig halten – zumal sofort die „Nazi-Keule“ geworfen wird, sollte man danach fragen, was man aber in „vorauseilenden nationalen Schuldgefühlen“ selten und von keiner Seite noch richtig wagt: Tja, Deutschland nagt an der eigenen Geschichte, wie sonst kein anderes Land in Europa, und dennoch ist es schon wieder Exportweltmeister und Wirtschaftslokomotive Europas. Dabei wäre – würde man ökologische Katastrophen vermeiden wollen – eher alles(!) vom „Wachstums-Modus“ auf einen „Bescheidenheits-Modus“ herunterzufahren.

Und wessen Interessen bedient man eigentlich, wenn Europa derart sich selbst destabilisiert? Ist da überhaupt irgendwo ein Funke „geopolitischer“ Überlegung mit im Spiel, insbesondere in der innerdeutschen Diskussion?

Es scheint als ob die innereuropäische Selbstkastration in Eigendynamik fortschreitet ohne Luft zu holen, um über die großen globalen Wirkungen nachzudenken – mit Verbissenheit geht es um Zahlen, Zäune, Zentraldateien und um die Probleme der Kommunen, deren Heime, Bäder und öffentliche Plätze – die nun schon immer mehr „niemandem“ gehören.

Macht sich ein Mangel an europäischer Führung breit? Oder ist eine auf wirtschaftlichem Binnenmarkt aufgebaute EU gar nicht führbar, sobald es um nicht-ökonomische Fragen geht?…

Ist Europa also einfach neu zu erfinden(!): RESET, – etwa als Föderation[1] mit einem übernationalen Föderationsmilitär für die Außengrenzen, einer Föderations-Außenpolitik etc., aber evtl. einer sehr ausgedehnten Regionalsubsidiarität; wobei auch die Katalanen und Basken, die Wallonen und Flandern, die Bayern etc. – sich aussuchen könnten, ob sie

* direkt Teil der Föderation, oder
* zunächst Teil einer Nation

sein wollen – und wo sie die immer privater werdenden Fragen von Religion, Ethnie, Meinungsbildungsquellen in ein „Allgemeines Bürgerliches Recht“ schieben können und so diese Bereiche einfach hinter sich – in der Geschichte – lassen könnten.

Und so könnte man aktiv in ein Informationszeitalter eintreten, dem auch eine „schwedisch anmutende Transparenz“ eigentlich u.ä.m. gut anstehen würde!

Herbert Rauch

 

 

[1]      Der Vorteil großer Räume (etwa wie USA) als juridischer Einheit könnte sein, dass man bei Universitäten, Theatern, Opern, Kunstakademien, Ausstellungen, Architekturwettbewerben und allen anderen Groß-Kulturveranstaltungen (bis zu den Charts für Popmusik), – jeweils die besten Personen aus einem Bevölkerungsraum von 100, 200, 300 oder noch mehr Millionen Individuen herausfiltern kann, – was Großteils auch durch Selbstselektion erleichtert wird. So können also immer mehr oder weniger die Besten (nicht unbedingt die Genialsten, die ihrer Zeit voraus sein mögen) in Aufstellung gebracht werden, – also gleichsam „metropolitisch“ an Stelle von „provinziell“ sich real ergeben.

Der Nachteil von solch großen mobilen Räumen könnte das Fehlen der „provinziellen“, quasi-nachbarschaftlichen Kultur (der kleinen Räume von 1, 2, 3 oder auch 5 Millionen) sein, wo man sich am Sprachdialekt, an Ritualen, an Essens- u.a. Lebensgewohnheiten gut und sofort erkennt, wo man also irgendwie wenigstens „minimal zuhause“ ist. Das alles, also das Regionale verliert sich aber in den großen Räumen, so wie sich dort auch die historisch gewachsene Kultur verdünnt, man ist dann nicht in „Tirol“, man ist in „Europa“, – wo eben 90 oder gar 99% von allen was die jeweilige Kultur ausmacht mehr oder weniger fern oder gar fremd ist. Wohl mag man dort – in den Großräumen – sehr frei sein, und man kann auch sein besonderes Milieu finden, etwa wie die „Künstler oder Kunstaspiranten“ in New-York in Greenwich-Village, oder auch in den Campus-Milieus, den Fraternities and Sororities, den Clubs, evtl. auch den kulturkämpferischen Bewegungen u.ä.m.. –

Aber wer wird dort „heimisch“? Alle, oder wieder nur die Angesehensten des Milieus, … und sind das 10% oder evtl. 20% des jeweiligen Milieus … und was ist mit den Restlichen? … Enden nicht viele, allzu viele sodann in Ghettos, wo sie sich gegenseitig ansehen, dass sie die Übriggebliebenen sind, ohne Familie, ohne Stammtisch, ohne Ansehen im Ort (welchen Ort auch in New-York oder Chicago? Oder Paris oder Berlin?) … Im Großraum sind sie (die Verlierer) also die mehr oder weniger „Verlorenen“, – in der Region sind sie über die Ähnlichkeit der Sprache, der Sitten, der Nachbarschaftlichkeit, doch letztendlich immer „ein wenig Zuhause“ (also liegt eine Flucht in irgendwelche Drogen nahe); sie können sich eben nicht mehr als Teil eines besonderen „Kultur-Kuchens“ verstehen, dort hätten sie noch eine gewisse evtl. Identität – wie klein- oder großartig auch immer diese im provinziellen Raum sein mag. – Derartiges wird in den vielen Ghettos des Großraumes nicht gelingen. – Die Mehrheit dort ist also in einer Art „Leerraum“ angekommen, wo es wenig Haltegriffe gibt, gemeinsam ist ihnen nur die „Verlorenheit“, und dass sie auch rundum sehen müssen, wie gestrandet sie sind im großen Fluss. Was bleibt, wenn man kein sinnvolles Tun findet, als in Drogen aller Art zu vegetieren (- exemplifiziert das nicht die USA?). – Und soll Europa auch so werden?