Konflikt ist die Lösung!

So wie es für die Nahrungsgesundung heißt: Scheiße ist die Lösung (s. den Artikel von Univ. Prof. Dr. BLUM, auch auf dieser Website), so ist es bei Europa nun plötzlich auch – ich vermute niemand hatte vorher daran gedacht. Es ist wie bei einer paradoxen Intervention und seine alle verwirrenden cross-overs-aller-Wortmeldungen: Alle wissen auf einmal wie schön eine vernünftige Unterhaltung ist.

Und der kluge ESTE sagte es laut: „Konflikt ist die Lösung, erstmals reden wir alle von Europa, von allen Ecken Europas. Alle 28 Länder befassen sich miteinander.“

Und dabei sagen sie es immer wieder: Wir wollen Europa.

Wohl eine Europa ohne die Vorherrschaft der Gläubiger, ohne die Oberlehrertöne der Deutschen …u.ä.m. Aber auch wenn wir gegen die Investoren kämpfen, gegen die Banken, gegen die Profitvorherrschaft, wir wollen diesen Kampf in Europa austragen, bitte – wohl gegen Wallstreet, aber bitte in Europa und dabei auch die Europäischen Verfassungsideen neu diskutieren, die Föderalität, die Subsidiarität, die Vielfalt, die Kultur, das Zusammensein in Andersartigkeit, die Freiheit der Meinung, des Glaubens, die Arbeit, der Neuerungen.

Estland zeigt dabei plötzlich für alle sichtbar und von allen TV-Stationen übernommen – wie Esten es machen: Wir Esten haben nie einen Kredit angenommen, außer der allgemeinen Ostländerförderung der EU… Und wir haben nun ein Softwarepaket entwickelt, dass die Steuereintreibung intensivieren und beschleunigen kann. Wir bieten es Griechenland an.

„Le Figaro“ – eine eher etwas konservative Pariser Zeitung – schreibt, es zeigte sich in den nächtelangen Verhandlungen, dass Deutschlands EU-Logik eher buchhalterisch und unbeugsam, Frankreich hingegen eher flexibel und nachsichtig ist. Tja, das war zuvor unaussprechbar – öffentlich schon gar nicht.

Und alle loben Spanien, Portugal, und auch Irland, die Gläubiger und die anderen Schuldner – alle machen Umfragen über EUROPA, und siehe da alle wollen mehrheitlich in Europa bleiben, selbst die Griechen, die heftig aufgeregt über den deutschen Hochmut schimpfen.

Noch 1944/45 lag Deutschland mit fast allen Ländern im Krieg, die nun um jeden Preis in einem EUROPA mit Deutschland sein und bleiben wollen. – Was ist passiert?

Auch Unsensibilität und unnötig krasse Art von BM SCHÄUBLE in der letzten Verhandlungen können daran nichts ändern. Alle wollen Europa. … Und manchen kommen sogar schon darauf, dass – wie in der Ehe – man auch durch Streit zusammenwächst, ja sie können damit dem Konflikt etwas abgewinnen.

Und schließlich hat man lange Zeit die Probleme manchmal weggemacht, manchmal schöngeredet. Jetzt wird ein wenig ausgeteilt, Unterschiede werden betont, gescholten eventuell – aber niemand vergisst den Nachsatz: Aber wir wollen dennoch dieses EUROPA.

Wer hätte das gedacht: Ein echter Konflikt und endlich sagen alle laut: Heh, aber wir wollen Europa!

Herbert Rauch