Lima – was ist eigentlich das Problem?

Herbert Rauch: „Zeitnotizen“ 

Wieder ein CO2-teurer Reise-Klima-Gipfel als Fiasko: Was ist eigentlich das Problem?

In meinen Augen stellt es sich so dar: Die sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländer wollen auch (westlichen) Wohlstand, wobei es in ihren Länder auch schon etliche Super-Reiche gibt. Die OECD-Länder wollen an ihrem Wohlstand festhalten, obwohl es in ihren Ländern auch schon immer mehr „Richtig-Arme“ gibt. 

Kurz, es wird verhandelt mit einem „Wohlstandsbegriff“ im Hinterkopf (=gewohnter Sprech-Denk) und im Rücken (= vermutete oder wirkliche Wählermeinungen), den alle Regierungen zumindest zu teilen glauben(!) müssen. Es gibt keine Pioniere  – Österreich macht sich in der EU ebenso wenig dafür stark, wie Deutschland oder die vielgelobten Skandinavier, und die Brüssel-EU macht sich unter den Global-Players nicht stark für eine Pionierallianz. Wobei außer den unverständlich werdenden USA und Kanada, die evtl. meinen sie würden schon ganz gut aussteigen im Fall der Fälle, andere wahrscheinlich ernstlich zu verhandeln bereit wären, zuvorderst Lateinamerika, Schwarzafrika, evtl. Indien, China, Japan… – Aber es scheint immer wahrscheinlicher, dass die kommenden Dekaden ein „Pfad der Lemminge“ werden, den unsere Kinder und Kindeskinder mit katastrophenschwangerer Klimaerwärmung und ungeahnten Folgewirkungen auszubaden haben. Sehen die Herrn und Damen „Entscheidungsträger“ und Star-Meinungsmacher noch keine Alternative, oder wagen sie einfach nicht „Alternativen“ anzudenken, anzusprechen: Versenken sie so die „Titanic der Demokratie“ (wie schon manche Zeitungen andeutungsweise schreiben – der Boulevard ebenso wie die andere Presse…) nolens volens?

Wollen sie oder können sie nicht begreifen, dass dieser seit 1945 eingespielte Wohlstandsbegriff nun in letzter Konsequenz „tödlich“ geworden ist. Er hat im Grunde schon seit einigen Dekaden ausgedient. Aber die Demokratien sind in Summe langsam und träge wie die schlimmsten Dumpfbacken, aber kein Einzelner der Wähler und der Politiker ist als eine solche zu recht festzumachen. Ältere Zyniker meinen bald wären sie sowieso tot, Kinder haben sie nicht und die der anderen gingen sie nichts an. Parteien mit Wahldelegierten aus Familien aller Schichten meinen auf ihren „richtungsweisenden“ Parteitagen sie müssten sich um die nächste Wahl kümmern und da stünden mittlere und kleinere Probleme an (Pensionen, Bildung, Integration, Kriminalität, Kita oder Betreuungsgeld etc.), die sie – mindestens so eifrig wie die anderen Parteien – fest und immer fester ansprechen(!) müssten … Sie wissen, es wird sowieso mehr oder weniger unwirksam bleiben… und es wird weiter-„gewurschtelt“ werden wie zuvor.

Die heißen Eisen – und diese glühen schon – werden aber nirgends, auch bei den so fesch-g‘scheiten StarmoderatorInnen (Thurnher, Maischberger, Illner, Will, Jauch …) nicht einmal angetupft, als da zentral vorliegen: Gemeinwohlverankerung (Global Commons), Eigentumsdifferenzierung, neues „moderates Buen-Vivir“ (für alle lebbar) statt altes „feistes Wohlstandsleben“ (mit „Shopping in New York“ und Traumreisen aller Art – nur für wenige möglich). Kurz, es herrscht noch trotz aller Unruhe unter der bürgerlich-ruhigen Decke ein Denken in Endlos-Serien im Sinne von „70er Jahre plus globalisierter Amerikanismus“ vor. Selbst diesen hochintelligenten und durchmodellierten TV-Menschen scheint dabei nicht aufzufallen, dass sie so zu TotengräberInnen der nächsten Generation(en) werden: Denn durch ihre überschlaue Masche alles zu drehen und zu (rede)wenden, erwecken sie den Anschein, auch bei den gebildeteren Schichten, „es würde ja eh alles bedacht und gemacht, um die Zukunft zu bewältigen“. So schläfern sie die europäische Welt ein – von den anderen „Players“ gar nicht zu reden. Da finde ich keinen „öffentlichen(!) Diskurs“ von Format, leider. Und die Ungebildeten warten sowieso ab, die Welt ist ja angeblich so enorm „komplex“, wie können sie es wagen sich einzumischen. Aber sie haben „Wut“, eher eine unbenennbare Wut, nur manchmal kommt sie pointiert à la „pegida“ etwas heraus.

Alle auf dem Planeten ahnen, dass da eine Gewitterfront aufzieht und man richtig „umrüsten“ sollte – mental und materiell – aber niemand wagt es öffentlich – die Staats-Stars schon gar nicht, zwischen den Steilwänden von Skylla („political correctness“ mit grenzenloser Selbstentfaltung) und Charybdis (grenzenloses Eigentum, als bürgerliches Heiligtum, nicht mal das Wort darf genannt werden, „wer redet, der fliegt“, wahrscheinlich auch aus ORF, ZDF und ARD) – sich auch nur etwas zu bewegen. Diese derzeit am Ruder befindliche Generation wird als die schlimmste in die Geschichte eingehen: die der „Eco-caust-VertuscherInnen…

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