Offener Brief an Wilfried STADLER,

den Autor des Buches

“Der Markt hat nicht immer recht.”

(Warum Wertschöpfung wichtiger ist als Geldschöpfung), Wien 2015
Wilfried Stadler ist ehem. Gen.Dir. einer Investitionsbank in Österreich, WU-Hon.Prof., sowie u.a. Mit-Hrsg.d.Wochenzeitung “Die Furche”:

Anlässlich der Präsentation des obigen Buches am 17.3.2015 in Wien, wo der Autor zu obigem Buch auch das Wesentliche an Grundlagendaten und Schlussfolgerung dargestellt hat, darf ich mir erlauben dazu Stellung zu nehmen:

Als Mit-Autor der Bücher: “Die Wende der Titanic”, 2005, und “Der Umbau der Titanic”, 2014, will auch ich „den Markt“ erhalten, weil dieser mit der „Doppeltürmigkeit“ von Wirtschaft und Staat (die eben beide auf eigenen Beinen stehen, und nicht von des andern “Gnaden” existieren), die personale Freiheit des Einzelnen den zeithistorischen Umständen nach relativ gut abdeckt.

Es muss aber natürlich auch „die Natur“ (die in diesem Buch von Wilfried STADLER jedoch gar nicht besonders betont wird) gut überleben können, weil wir als Spezies – und unsere Kinder in der nahen Zukunft insbesondere – in diese Natur „eingebettet“ existieren. Und daher sind wir auch von der guten Weiterexistenz dieser Einbettung abhängig – für unser Leben (und Gut-Leben), – von dem Eigenwert der Natur – also ohne Bezug auf die Menschheit – ganz zu schweigen.

Ich nehme an, dass wir – der Autor von „Der Markt hat nicht immer recht“ und ich – in den obigen Aussagen gut übereinstimmen können, auch wenn manches unterschiedlich „betont“ wird.

Jedenfalls legt das Buch von Wilfried STADLER eine sehr fachkundige Arbeit (bzgl. Theorie und Praxis) vor, und „repariert“ – falls die Vorschläge in etwa so umgesetzt würden – die von der Finanzwirtschaft (durch deren loses Reglement und eigene Dynamik) überproportional dominierte Gesellschaft „hinsichtlich der Bankenlandschaft i.w.S.“. – Kurz, diese Reparatur – wenn sie gelingt – würde ein weiteres Wachstum der sog. „Wirtschaft“ ermöglichen, – und dieses würde grosso modo entlang der alten Schienen (Ordnungspolitik) der unmittelbaren Nachkriegszeit verlaufen … Die damit normalerweise verbundene jährlich steigende Ökologie-Problematik wird jedenfalls nicht besonders thematisiert, sondern bleibt eher außen vor (gleichsam im „ceteris-paribus-Netz“). Doch die Ökologie-Thematik könnte heute schon das wichtigste Entscheidungsfeld sein, obwohl vom sog. „mainstream“ ausgeblendet oder kleingeredet: Inwieweit wir aber die „Natur“ durch unsere Ordnungspolitik berücksichtigen, ja in Richtung „Regenerativität“ und „Sozialgesundung“ orientieren und somit zukunftsfähig gestalten, wird die zukünftigen Lebensumstände entscheiden.Und m.E.n. ist – wie Gerald MADER (Gründer der Schlaininger Friedensuniversität im Burgenland) deutlich sagt – die Krise der beste Zeitpunkt große Reformen anzugehen.

Die Hoffnung auf große innovative Schritte, so dass wir in 15-20 Jahren schon in einer „ökologisch sinnvollen“ Welt leben können (und damit die „Schnitzer“ der 1975ff-Ära ausgestanden wären) würde ich gerne teilen, – aber der UNPCC, die Ökologen, der jährlich gemessene Ökologischen Fußabdruck u.a.… weisen leider nicht dorthin, abgesehen davon, dass eine Klimareform – heute angesetzt – erst in etwa einer Generation (30 Jahren) spürbare Früchte zeitigen kann. Wilfried STADLER deutet eine solartechnologische Offensive an – aber ohne einen Postwachstums-Reformrahmen ins Auge zu fassen, – wie soll das gehen?

Wenn aber dieser ökologische Innovationsschub eben nicht (quasi von selbst) eintritt, – etwa auch weil die Kurzfristigkeit der – wenn auch reparierten so dennoch gegebenen – Finanzdynamik es im gegebenen Regelwerk gar nicht erlaubt) und dieser enorme nötige Innovationsschub also eine irrige Hoffnung bzw. Meinung wäre, – würde dies ein sehr gefährlicher Irrtum oder eine gefährliche vorauseilende Anpassung sein, die auch einen potentiellen Eco-caust Lauf lässt. – Kurz, das „Finanz-Regelwerk“ wieder nicht bzgl. des „Naturhaushaltes und des Ressourcenmanagements“ ausreichend genug(!) verbessert zu haben, wäre – ja derzeit ist es seit 2008 – eine große verpasste Gelegenheit.

Die Frage, ob die Logik von ROI (return on investment) und ROE (return on equity) – ohne maßgebliche Änderung dessen Stellenwertes –, diese erhofften insbesondere „ökosolaren“ Investitionen in ausreichendem Ausmaß überhaupt ermöglichen würde, bleibt offen; dies macht unsere Zivilisation sehr verwundbar. Und zwar egal wie ehrbar die einzelnen Akteure sein mögen.

Sollte man sich also nicht doch – auch gegen den US-Amerika-dominierten Zeitgeist – aufraffen und durch gute starke Regeln die „Verkehrslage auf den Straßen“ (die Wirtschaftslage auf der Planetaren Erdoberfläche) dementsprechend echt und fest „sichern“? D.h. also ein grundlegend zukunftsfähiges Finanz-Reglement schaffen. Wenn Derartiges in Richtung und Umsetzung auch gut gemacht wird, könnte es noch – wenn auch schon mit Schrammen, wie der WBGU (Wissensch. Beirat f.globale Umweltveränderungen d.dt. Bundesregierung) ausführt – evtl. gelingen, die Erdoberfläche “gut genug” für Folgegenerationen zu erhalten …

Wie das aber ohne entschiedene grundlegende Regulation gehen soll, ist schwer vorstellbar, weil Langfristigkeit ins System einzubringen nur von einem großen richtungsweisenden Rahmen geschafft werden kann. Die Unternehmen an sich, die ja viele Bürger gerne als Produktiv- und Pionierstätten erhalten wollen (um damit eben keine Monopolbürokratie … mit Privilegienwirtschaft und Polizeigefahren entstehen zu lassen …), können ja – wie bei einer Olympiade – auch mit strengen Regeln gut leben, solange die Konkurrenz im Wettbewerb auch die gleichen Regeln – wenn auch regional angepasst – glaubhaft einhalten muss …

Das Risiko – einer “zu strengen Regulation” geziehen zu werden, oder auch wegen strengerer Planifikations-Rahmen für Investoren des “Antisemitismus” geziehen zu werden, ist m.E.n viel viel geringer – als die Gefahren von Fehlinvestitionen durch die geradezu erzwungene Kurzfrist-Dynamik der Finanzwirtschaft. – Regulation im Sinne von Zukunftsfähigkeit wird auch immer besser mehrheitsfähig, zumal sich schon bei vielen Umfragen andeutet, dass viel mehr als die Hälfte der Wähler (jedenfalls in Europa) für diese Richtung bereit sind. Und besonders dann, wenn für eine ökosoziale Variante eine nichtkommunistische plausible Alternative für das Gesellschaftssystem angeboten würde.

Und darf man solch eine ganzheitliche Perspektive nicht auch erwarten, insbesondere von einer modern katholisch-orientierten Qualitätswochenzeitung? – Und jemand der die Finanzwirtschaft in Theorie und Praxis so gut – wie eben der Autor – kennt, könnte dafür eine zukunftsfähige Finanzregulation in concreto auch entwerfen. – Und diese sollte in Österreich, in der EU und schließlich in der Globalen Welt anwendbar sein.

Mit vielen herzlichen Grüßen,
Herbert Rauch

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